Am Mittelmeer haben die Winde eigene Namen, weil sie sich deutlich unterscheiden: Der Mistral ist kalt und trocken, der Schirokko heiß und staubig, die Bora fällt böig von den Bergen. Alle acht sind Folge der Gebirge, die das Becken umgeben.
01 — WarumGebirge machen Wind
Das Mittelmeer ist von Gebirgen umgeben. Luft, die über oder zwischen ihnen hindurch muss, wird beschleunigt, erwärmt oder abgekühlt. Deshalb weht an jeder Küste ein anderer Wind, mit so verlässlichen Eigenschaften, dass er einen eigenen Namen bekommen hat.
Zwei Mechanismen dominieren. Beim Düseneffekt presst sich Luft durch ein Tal oder eine Lücke und wird dabei schneller, so entsteht der Mistral im Rhonetal. Beim Fallwind stürzt kalte Luft über einen Gebirgsrand ab, das ist die Bora an der Adria.
Für die Schifffahrt sind diese Winde bis heute wichtig. In den Segelrevieren der Ägäis richtet sich die Törnplanung nach dem Meltemi, in der nördlichen Adria nach der Bora.
02 — ÜbersichtDie acht Winde im Überblick
Die Namen stammen überwiegend aus dem Italienischen und Griechischen und sind seit der Seefahrt der frühen Neuzeit gebräuchlich. Mehrere Winde tragen je nach Küste unterschiedliche Namen.
| Wind | Richtung | Wo | Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Mistral | Nordwest | Rhonetal, Golfe du Lion | Kalt, trocken, oft stürmisch. Entsteht, wenn Kaltluft durch das Rhonetal zwischen Alpen und Zentralmassiv gepresst wird. Bringt klare Sicht. |
| Bora | Nordost | Adria, besonders Triest und Kroatien | Fallwind vom Karst. Kalt und extrem böig, kann in Sekunden von Windstille auf Sturmstärke springen. |
| Schirokko | Süd bis Südost | Vom gesamten Nordrand der Sahara | Heiß, staubig, oft schwül nach dem Weg über das Meer. Trägt Saharastaub bis nach Mitteleuropa. Heißt regional auch Ghibli, Chamsin oder Jugo. |
| Meltemi | Nord | Ägäis | Trockener Sommerwind, bläst von Mai bis September oft tagelang. Bei den Griechen Etesien, die jährlich Wiederkehrenden. |
| Levante | Ost | Alboran-Meer, Straße von Gibraltar | Feucht und mild, bringt an der Meerenge oft eine charakteristische Wolkenbank über dem Felsen. |
| Tramontana | Nord | Katalonien, Korsika, Ligurien | Kalter Wind von jenseits der Berge. Der Name heißt wörtlich über den Bergen. |
| Gregale | Nordost | Malta, Ionisches Meer | Kräftiger Winterwind, im Mittelalter für Schiffe im Hafen von Valletta gefürchtet. |
| Libeccio | Südwest | Tyrrhenisches Meer, Korsika | Bringt hohen Seegang an die Westküsten Italiens und Korsikas. |
03 — SaharastaubWenn der Süden Staub bringt
Der Schirokko hebt in der Sahara feinen Staub auf und trägt ihn über das Meer. Auf dem Weg nimmt er Feuchtigkeit auf, weshalb er im Norden oft schwül ankommt statt trocken.
Der Staub färbt den Himmel gelblich und hinterlässt eine feine Schicht auf allem, was draußen steht. Bei kräftigen Lagen erreicht er die Alpen und gelegentlich Skandinavien. Für die Böden am Nordrand des Mittelmeers ist dieser Eintrag über lange Zeiträume ein nennenswerter Nährstofflieferant.