Vor rund 5,96 Millionen Jahren schloss sich die Verbindung zum Atlantik. Das Mittelmeer verdunstete über Jahrtausende und hinterließ kilometerdicke Salzlagen auf dem Meeresboden. Erst die Zanclean-Flut vor 5,33 Millionen Jahren füllte das Becken wieder auf.
01 — AblaufWie ein ganzes Meer verschwand
Das Mittelmeer verliert durch Verdunstung mehr Wasser, als ihm Flüsse und Regen liefern. Ausgeglichen wird das allein durch den Zustrom aus dem Atlantik. Fällt dieser Zustrom weg, sinkt der Spiegel.
Genau das geschah vor rund 5,96 Millionen Jahren, als tektonische Hebung die damalige Verbindung zum Atlantik verschloss. Es waren nicht die heutige Straße von Gibraltar, sondern Meeresarme durch das heutige Südspanien und Marokko.
In der Folge sank der Spiegel um schätzungsweise bis zu 1.500 Meter. Aus dem Meer wurden einzelne, extrem salzige Restseen in den tiefsten Teilen des Beckens, dazwischen lag trockengefallener Meeresboden. Die Flüsse gruben sich tief in diese neue Landschaft ein; der Nil schnitt eine Schlucht, die stellenweise tiefer war als der Grand Canyon.
02 — SalzEin Kilometer Salz unter dem Meeresboden
Bei der Verdunstung blieb zurück, was im Wasser gelöst war. Auf dem Boden des Beckens lagerten sich Gips und Steinsalz ab, stellenweise zwei bis drei Kilometer mächtig. Diese Schichten liegen bis heute unter dem Meeresboden und lassen sich seismisch nachweisen.
Benannt ist das Ereignis nach Messina auf Sizilien, wo solche Salzgesteine an Land aufgeschlossen sind und im 19. Jahrhundert erstmals beschrieben wurden. Den Beweis lieferten aber erst Bohrkerne: 1970 zog das Forschungsschiff Glomar Challenger Proben aus dem Meeresboden, die eindeutig Verdunstungsgesteine enthielten, mitten im tiefen Becken.
03 — Zanclean-FlutDie Wiederauffüllung
Vor rund 5,33 Millionen Jahren brach der Atlantik wieder durch. Was folgte, gilt als eine der größten Fluten der Erdgeschichte. Nach Modellen arbeitete sich das Wasser zunächst langsam durch eine Rinne, weitete sie dabei aber immer schneller aus, bis der Durchfluss dramatisch anstieg.
Schätzungen zur Dauer der Füllung reichen von wenigen Monaten bis zu einigen Jahrzehnten; der größte Teil soll in kurzer Zeit erfolgt sein. Die Wassermassen sollen dabei ein Vielfaches dessen transportiert haben, was heute alle Flüsse der Erde zusammen führen.
Mit dieser Flut beginnt die Zanclean genannte Stufe des Pliozäns, die dem Ereignis den Namen gibt. Seitdem ist das Becken durchgehend gefüllt.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| vor 5,96 Mio Jahren | Die Verbindung zum Atlantik schließt sich, der Spiegel beginnt zu sinken. |
| 5,96 bis 5,60 Mio | Erste Phase: Gipsablagerungen an den Rändern des Beckens. |
| 5,60 bis 5,55 Mio | Hauptphase: mächtige Steinsalzlagen in den tiefen Becken. |
| 5,55 bis 5,33 Mio | Wechselnde Bedingungen, brackige Restseen, Flüsse graben tiefe Canyons. |
| vor 5,33 Mio Jahren | Die Zanclean-Flut füllt das Becken wieder, das Pliozän beginnt. |
| 1970 | Bohrkerne der Glomar Challenger belegen die Krise erstmals eindeutig. |