Die Türkei grenzt mit rund 5.200 Kilometern an Ägäis und Mittelmeer. Die Ägäisküste im Westen ist zerklüftet und inselreich, die Türkische Riviera im Süden liegt zwischen Taurusgebirge und Meer. Beide Küsten gehören zu den dichtesten Ansammlungen antiker Städte im Mittelmeerraum.
01 — KüsteZwei sehr verschiedene Küsten
Die türkische Mittelmeerküste zerfällt in zwei Abschnitte, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Die Ägäisküste im Westen ist tief zerschnitten, mit langen Halbinseln, Buchten und hunderten vorgelagerten Inseln, von denen die meisten heute zu Griechenland gehören.
Die Südküste dagegen, oft Türkische Riviera genannt, verläuft über weite Strecken geradlinig. Das Taurusgebirge tritt hier nah ans Meer heran und fällt besonders an der Lykischen Küste steil ab. Dazwischen liegen fruchtbare Schwemmebenen wie die Çukurova bei Adana.
Beide Küsten sind archäologisch außerordentlich dicht. Troja, Ephesos, Pergamon, Milet, Priene und Halikarnassos liegen an der Ägäis, Perge, Aspendos, Side und Myra an der Südküste.
02 — GeschichteVon Ionien bis zur Republik
Die Westküste war ab dem 11. Jahrhundert vor Christus griechisch besiedelt. In den ionischen Städten entstanden die ersten Ansätze naturwissenschaftlichen Denkens; Thales, Anaximander und Heraklit stammten von dieser Küste. Später gehörte die Region zu Persien, dem Reich Alexanders, den hellenistischen Königreichen und schließlich zu Rom.
Nach der Teilung des Römischen Reiches lag das Gebiet im Zentrum von Byzanz. Ab dem 11. Jahrhundert drangen seldschukische, ab dem 14. osmanische Verbände vor. Unter osmanischer Herrschaft blieb die Küste bis ins 20. Jahrhundert sprachlich und religiös gemischt.
1912 besetzte Italien den Dodekanes vor der Südwestküste, 1923 fiel er völkerrechtlich an Italien und 1947 an Griechenland. Der Bevölkerungsaustausch von 1923 zwischen Griechenland und der Türkei veränderte die Küstenstädte grundlegend.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| ab 1100 v. Chr. | Griechische Besiedlung der Ägäisküste, Entstehung der ionischen Städte. |
| 546 v. Chr. | Die Küste wird persisch, bleibt es mit Unterbrechungen bis Alexander. |
| 133 v. Chr. | Das Königreich Pergamon fällt an Rom, die Provinz Asia entsteht. |
| ab 1071 | Seldschukische Vorstöße nach Kleinasien. |
| 1453 | Konstantinopel wird osmanisch, die Küsten folgen endgültig. |
| 1912 | Italien besetzt den Dodekanes vor der Südwestküste. |
| 1923 | Vertrag von Lausanne, Gründung der Republik, Bevölkerungsaustausch. |
03 — KlimaHeiße Sommer, milde Winter
An beiden Küsten herrscht mediterranes Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden, feuchten Wintern. Die Südküste ist dabei deutlich wärmer: In Antalya liegen die Mittelwerte im Januar bei rund zehn Grad, im Juli über achtundzwanzig.
Im Sommer weht an der Ägäis der Meltemi, ein trockener Nordwind, der die Hitze erträglich macht und für die Segelreviere prägend ist. Er ist derselbe Wind, den die Griechen Etesien nennen.