Albanien hat rund 450 Kilometer Küste an zwei Meeren. Der flache Norden liegt an der Adria, der steile Süden ab der Halbinsel Karaburun am Ionischen Meer. An der engsten Stelle trennen nur 72 Kilometer das Land von Italien.
01 — KüsteZwei Meere, zwei Landschaften
Albaniens Küste teilt sich an der Halbinsel Karaburun in zwei sehr verschiedene Abschnitte. Nördlich davon, an der Adria, ist sie flach und sandig, mit Lagunen, Feuchtgebieten und breiten Stränden. Die Lagune von Karavasta gehört zu den größten des Mittelmeers und ist Ramsar-Gebiet.
Südlich der Halbinsel beginnt die Albanische Riviera. Hier treten die Ceraunischen Berge bis auf wenige hundert Meter ans Wasser heran und erreichen über 2.000 Meter. Die Küste ist steil, felsig und von kleinen Buchten zerschnitten, das Wasser fällt rasch tief ab.
Vor der Südküste liegt die griechische Insel Korfu, an der schmalsten Stelle nur rund drei Kilometer entfernt.
02 — MeerengeWo Adria und Ionisches Meer sich treffen
Die Straße von Otranto zwischen Albanien und Apulien ist rund 72 Kilometer breit und bildet die Grenze zwischen Adria und Ionischem Meer. Sie ist die Stelle, an der sich das Wasser der Adria mit dem des offenen Mittelmeers austauscht.
Geografisch ist das die kürzeste Verbindung zwischen der Balkanhalbinsel und der italienischen Halbinsel. Entsprechend oft war sie in der Geschichte Weg und Grenze zugleich, von der römischen Via Egnatia bis zu den Fluchtbewegungen der 1990er Jahre.
03 — GeschichteIllyrer, Rom, Venedig, Osmanen
Die Küste war illyrisch besiedelt, bevor griechische Kolonisten im 7. Jahrhundert vor Christus Apollonia und Epidamnos gründeten, das spätere Dyrrachium und heutige Durrës. Unter Rom wurde Dyrrachium westlicher Ausgangspunkt der Via Egnatia, der Heerstraße nach Konstantinopel.
Nach byzantinischer Zeit wechselten normannische, venezianische und serbische Herrschaft. Ab dem 15. Jahrhundert wurde das Land osmanisch, nachdem der Widerstand unter Skanderbeg gescheitert war. 1912 erklärte Albanien seine Unabhängigkeit.
Ein Bauwerk prägt die Küste bis heute auf eigentümliche Weise: Unter Enver Hoxha entstanden zwischen 1967 und 1986 landesweit hunderttausende Betonbunker, viele davon an den Stränden. Sie stehen dort noch immer.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 627 v. Chr. | Griechische Kolonisten gründen Epidamnos, das heutige Durrës. |
| ab 168 v. Chr. | Rom übernimmt die Küste, Dyrrachium wird Endpunkt der Via Egnatia. |
| 1443–1468 | Skanderbeg führt den Widerstand gegen die osmanische Eroberung. |
| 1479 | Die osmanische Herrschaft ist gefestigt und dauert über vier Jahrhunderte. |
| 1912 | Albanien erklärt in Vlora seine Unabhängigkeit. |
| 1967–1986 | Unter Enver Hoxha entstehen hunderttausende Bunker, viele an der Küste. |
| 1992 | Ende der kommunistischen Herrschaft, Öffnung des Landes. |